Der Sommer hat sich dem Ende zugeneigt und abends wird es nicht nur früher dunkel, sondern auch kühler und für Viele ist daher jetzt die Gelegenheit, um die warmen Wollpullis aus dem Schrank zu holen und zu schauen, ob die Walksachen der Kinder noch passen. Eine böse Überraschung gibt es, wenn ihr feststellt, dass die kuscheligen Sachen nicht mehr heile sind, sondern von lauter kleinen Löchern übersät. Da waren dann mit großer Wahrscheinlichkeit die Kleidermotten am Werk, die von April bis September ihre Hochsaison haben und denen es wie so oft im Tierreich nur um eines geht: Fortpflanzung.

Das Räubersachenlager wäre für jede Kleidermotte das Paradies auf Erden, aber damit es nicht so weit kommt, treffen wir Vorbeugemaßnahmen. Hier bekommt ihr unsere besten Tipps und Tricks zur Mottenabwehr – und was zu tun ist, wenn die Kleidermotten doch ein Festmahl in euren Sachen gefeiert haben.

Mottenfraß


Zuerst aber noch ein bisschen Tierkunde – von was reden wir hier überhaupt?

Die Kleidermotte (Tineola bisselliella – klingt schon so biestig)

Kleidermotten gehören zu den Schmetterlingen – allerdings nicht zu den besonders hübschen Exemplaren, sondern zu den eher unauffälligen Nachtfaltern. Sie sind hellbeige bis dunkelgrau gefärbt und ungefähr sechs bis neun Millimeter groß. Die umherfliegenden Tierchen fressen aber nicht die Löcher in die Kleidung – das übernehmen die Larven der Kleidermotte. Wenn ihr das Buch von der Raupe Nimmersatt auch schon hundertmal habt vorlesen dürfen, dann kennt ihr ja die Metamorphose der Schmetterlinge:

Zuerst ist da das Ei (ein Weibchen legt etwa 100-250 Stück), dann schlüpft die Raupe (Larve) und frisst bis zum Fresskoma, verpuppt sich und nach circa 60 Tagen schlüpft ein wunderschöner Schmetterling – äh, nee, eine blöde Kleidermotte, die direkt auf Partnersuche geht, um mit dem Spielchen von vorne zu beginnen. Das sollen sie auch gerne machen, aber dann bitte in ihrem natürlichen Lebensraum draußen in den Nestern von Vögeln und Säugetieren…

Auf dem Speiseplan der Kleidermotte stehen Sachen aus Wolle und Seide (auch Mischgewebe) und Pelze und Felle (z.B. auch in Schuhen!). Natürliche Materialien wie Baumwolle können von den Motten eigentlich nicht verdaut werden, was die Biester aber bei Mangel an Alternativen leider nicht daran hindert, herzhaft zuzubeißen. Aus den Fasern bauen sich die Motten Gespinströhren, die an beiden Enden offen sind, und die sie nur zum Fressen verlassen.

Gespinströhre der Kleidermotte
Gespinströhre der Kleidermotte


Als wenn die Motten als Plage nicht schon genug wären, gibt es auch noch Pelzkäfer (bzw. deren Larven), die euren Wollsachen gefährlich werden können. Diese dunkelbraunen bis schwarzen Tierchen sind etwa 4-6mm lang und die Weibchen legen so um die 50 Eier, aus denen gefrässige Larven schlüpfen, die sich später verpuppen. Pelzkäfer haben im Gegensatz zur Kleidermotte einen viel längeren Entwicklungszyklus von bis zu 3 Jahren, weshalb sie eher vereinzelt und nicht massenhaft auftreten. Auch wenn ein Befall mit Kleidermotten häufiger vorkommt, können zerfressene Sachen auch den Pelzkäfern zum Opfer gefallen sein und die folgenden Tipps sind bei beiden Tierchen wirksam.

Vorbeugen ist besser 

Es gibt ein paar vorbeugende Maßnahmen, die ihr treffen könnt, damit sich Kleidermotten und Pelzkäfer erst gar nicht bei euch zuhause fühlen:

  • Packt nur saubere und gewaschene Sachen in eure Kleiderschränke und Kommoden. Wer auf tierisches Eiweiß steht, dem schmecken auch Haare und Hautschuppen des Menschen - logisch. Wenn ihr ein Kleidungsstück nur einmal getragen habt und noch nicht das Gefühl habt, dass ihr es waschen müsst, dann hängt es zum Lüften irgendwohin und zieht es zeitnah wieder an, aber packt es nicht zurück in den Schrank.
  • Kleidermotten und Pelzkäfer mögen es nicht, wenn im Kleiderschrank allzu viel Betrieb herrscht. Wenn ihr also eure Kleiderschränke und Schubladen regelmäßig ausräumt, mit Essigwasser auswischt und schön wieder einräumt, dann macht ihr es ihnen nicht nur ungemütlich, sondern habt (vermutlich) auch mehr Ordnung im Schrank – ein klassische Win-win-Situation ;) Da sich Motten und Pelzkäfer gerne auch in Löchern und Spalten verkriechen, empfiehlt es sich z.B. Bohrlöcher für Einlegeböden mit Klebeband abzukleben.
  • Verzichtet auf chemische Mottenabwehr. Das in der Drogerie erhältliche Mottenpapier enthält beispielsweise Insektizide, die nicht mit der menschlichen Haut in Berührung kommen sollten. Die Haut ist das größte Organ und sowas wollt ihr nicht an eurer Kleidung oder an der eurer Kinder haben…
  • Statt auf die Chemiekeule setzt lieber auf natürliche Helfer. Ätherische Öle, die Kleidermotten und Pelzkäfer nicht mögen, sind z.B. Lavendel oder Zedernholz. Unser Geheimtipp ist das Neemöl  aus den Früchten des Neembaumes. Der Wirkstoff im Neemöl schreckt ausgewachsene Tier ab und verändert bei Larven den Hormonhaushalt, so dass sie die nächste Entwicklungsstufe nicht erreichen und absterben.
  • Wenn ihr eure Wollsachen für einen längeren Zeitraum (z.B. über die Sommermonate oder auf unbestimmte Zeit für ein weiteres Kind) einlagert, dann packt sie in luftdicht verschlossene Plastiktüten – so geht ihr auf Nummer sicher, dass Kleidermotten und Pelzkäfer erst gar nicht an die Sachen herankommen. Ja, Plastik ist blöd, aber an manchen Stellen doch sinnvoll und die Tüten sind wiederverwendbar.
  • Stellt Kleidermottenfallen (gibt es in der Drogerie) auf. Das sind Pheromonfallen, die den männlichen Motten vorgaukeln, dass hier ein wunderbar duftendes Weibchen auf sie wartet und schwups, kleben sie fest. Mit diesen Fallen werdet ihr eine Mottenplage nicht los, aber sie dienen zur Befallskontrolle und wenn in ihnen die Motten kleben, dann wisst ihr, dass ihr ein Problem habt.

Kleidermottenfalle


Die Motten oder Pelzkäfer sind da – was nun?

Schön und gut unsere Tipps für vorbeugende Maßnahmen, aber was, wenn es bereits zu spät ist und die Kleidermotten  oder Pelzkäfer schon bei euch eingezogen sind? Da ihr euch eure Haustiere vermutlich auch lieber aktiv selbst aussucht, wird es Zeit, die Biester wieder loszuwerden.

  • Findet heraus, wo genau der Mottenbefall ist. Das erkennt ihr am einfachsten an den zerfressenen Sachen. Vielleicht erwischt ihr auch eine Larve bei der Arbeit oder entdeckt die Gespinströhren, in denen sich die Tierchen verkriechen. Die Eier sind mit einer Größe von 0,6 mm eher schwer zu erkennen. Bei den Pelzkäfern verhält es sich ähnlich, hier findet ihr auch eher die Larven an den Stellen, an denen die Sachen angefressen sind.
  • Räumt den Schrank/oder die Schublade komplett aus. Da beide Tierarten in allen Stadien keine hohen Temperaturen mögen, könnt ihr Sachen, die es aushalten, bei 60 Grad in der Waschmaschine waschen, dadurch werden Eier und Larven zuverlässig abgetötet.
  • Da ihr die wolligen Sachen nicht so heiß waschen könnt, ohne dass sie einlaufen, müsst ihr den Eiern und Larven mit Kälte begegnen. Also räumt euer Gefrierfach aus und steckt die Sachen da rein. Bei -18 Grad sind Eier und Larven nach 3 Tagen hinüber. Ganz sicher geht ihr, wenn ihr die Sachen anschließend noch kurz bei 50 Grad in den Backofen legt. Diesen abrupten Temperaturwechsel halten die Tiere definitiv nicht aus.
  • Am Wichtigsten ist es jetzt, euren Schrank oder die Schublade gründlich zu reinigen. Wenn alles leer ist, könnt ihr zunächst alles mit Essigwasser auswischen. Da sich die Larven bei soviel Aufregung aber gerne in allen möglichen Löchern, Ritzen und Spalten verkriechen, müsst ihr nochmal mit Hitze ran. Dafür reicht ein handelsüblicher Föhn, mit dem ihr in alle Ecken gründlich und auf heißester Stufe hinein pustet. Da die Eier und Larven der Kleidermotten zum großen Teil aus Proteinen (Eiweiß) bestehen, werden sie bei dieser Behandlung schön gegart und abgetötet.
  • Bevor ihr eure Sachen wieder einräumt, könnt ihr Schrank und Kleidung mit Neemöl einsprühen. Das verhindert zuverlässig einen Neubefall mit Kleidermotten und Pelzkäfern.


Wollsachen in Schublade


Und was macht ihr jetzt mit den kaputten Sachen? Wenn sie nicht komplett zerfressen sind, dann versucht doch die Löcher zu reparieren und zu stopfen. Dickere Sachen wie Wollpullis und Walksachen könnt ihr mit Filznadeln und Filzwolle reparieren, ein Anleitungsvideo findet ihr hier. Oder ihr greift zu Nadel und Garn und holt euch auf unserer Pinterestseite Inspirationen, wie ihr schöne Schmuckstücke über die gestopften Löcher sticken könnt. Und wenn ihr lieber unter fachlicher Anleitung arbeiten wollt, dann legen wir euch unsere Stopfkurse ans Herz. Neue Termine werden im Räubersachenshop in der Rubrik Pflege + Reparatur und über unsere sozialen Kanäle bekannt gegeben.

Nachtrag: Eure Tipps und Anmerkungen

Über Instagram und Facebook haben uns zur Mottenbekämpfung noch zwei tolle Tipps von euch erreicht.

Eine Leserin erhitzt die Wollsachen immer für eine Minute in der Mikrowelle, um Schädlingseier oder -larven abzutöten. Das dürft ihr natürlich NICHT machen, wenn an den Sachen irgendwelche Metallteile (z.B. Druckknöpfe bei Bodys!) dran sind, sonst könnte eure Mikrowelle ein bisschen Funken sprühen.

Und ein zweiter Tipp war die Wollsachen zu bügeln, auch das macht Kleidermotten und Pelzkäfer in allen Stadien unschädlich. Dafür stellt ihr euer Bügeleisen auf Wolle ein (meist Stufe II) und überbügelt sie mit viel Wasserdampf. Wenn ihr euch nicht sicher seid, ob eure Sachen das gut vertragen, könnt ihr auch ein dünnes Baumwolltuch dazwischen legen.

Mit ätherischen Ölen wie Lavendel und Zedernholz haben leider viele keine guten Erfahrungen  gemacht, zumindest haben sich die Kleidermotten davon oft nicht beeindrucken lassen. Für uns war es aber beruhigend zu lesen, dass bislang nur sehr gute Erfahrungen mit dem Neemöl gemacht wurden, denn darauf setzen wir im Räubersachenlager ja auch.

Ein paar kritische Fragen kamen noch, ob mit den Pheromonfallen nicht die Motten von draußen angelockt werden. Dazu können wir nichts sagen, denn wir haben leider keine Ahnung in welchem Umkreis die Motten sie riechen können. Gegen einen Neubefall von außen kann es aber sicher nicht schaden, wenn ihr in den Sommermonaten eure Fenster mit Fliegengittern verseht.

Mit diesen Tipps bleibt ihr hoffentlich mottenfrei und eure Sachen heile!

Kommentare (7)
  • Frieda
    Hallo liebes Räubersachen-Team, wir haben oft mit diesen Biester zu kämpfen und haben wirklich viel ausprobiert. Ich freue mich sehr über den Tipp mit dem Öl. Wir werden es probieren. Ich möchte hinzufügen, dass man die Woll-Kleidung auch wunderbar Bügeln kann um einen evtl Befall zu bekämpfen. Gefrierfach und Ofen war bei uns ungünstig. Die Pheromofallen haben leider einen Nachteil. Die ziehen Motten auch an, wenn sie noch gar nicht bei einem Leben. So unsere Erfahrung. Vielen Dank euch! Weiter so! Grüße, Frieda
  • Stefanie
    Liebes Räuberteam, Das sind wirklich super Tipps! Was ich aber auch sehr bei einem Befall empfehlen kann sind Schlupfwespen. Man kann diese im Internet bestellen und bekommt kleine Papierträger mit Eiern zugeschickt, aus denen in kurzer Zeit Schlupfwespen schlüpfen. Diese fressen die Motten, sind selbst aber so gut wie unsichtbar. Inzwischen ist dies bei einem Befall mein Mittel der Wahl! Zur Vorbeugung hilft aber euer Neemöl phänomenal! Liebe Grüße Stefanie
  • Luzia
    Vielen Dank für die tollen Tipps! Welches Neemöl verwendet ihr denn? Gibt es da was passendes in einer geeigneten Sprüh-Flasche oder mischt ihr selber und füllt das um zum sprühen? Danke und LG
  • Lenas Mückenschutz
    Danke für den Tipp mit dem Fliegengitter. Ich dachte immer, ich schleppe die Motten mit Möbeln oder Essen ein und wusste gar nicht, dass die auch einfach von draussen kommen können.
  • Clara
    Die Fallen locken nur die Männchen an, die keine Eier legen, somit alleine nicht zu einem Neubefall führen können.
  • Andree
    Ein sicheres Indiz für die Existenz von Kleidermotten ist ihr Verhalten gegenüber Lichtquellen. Im Gegensatz zu den meisten Nachtfaltern meiden die Kleidermotten die Helligkeit und fliegen nicht ins Licht. Möglicherweise auch ein Ansatzpunkt für den Schutz vor Mottenbefall. Im Übrigen haben sich auch Schlupfwespen als natürlicher Feind und somit auch als ein Mottenwundermittel bewährt. VG, Andree
  • Christensen
    Schönen Beitrag! Ich habe mit eine Filzerin gearbeitet, und die hat immer Mottenbefallene Sachen für drei Tage in Wasser gelegt- sie meinte, dass sie sonst Erfahrungen mit den Tiefkühler gemacht hat, die nicht die Motten ganz vernichtet hat...aber sie sagte, dass das legen im Wasser tötet die Eier ganz sicher. Diese Methode habe ich benutzt, da meinen Tiefkühler ganz klein ist. Aber den Tipp mit den Backofen würde ich auch probieren!

Schreibe einen Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.