Vor Weihnachten und den Geburtstagen ist die Wunschliste meiner Kinder (3 & 7 Jahre alt) immer ellenlang. Nicht alle Spielzeugwünsche erfüllen wir ihnen, aber Herzenswünsche berücksichtigen wir natürlich schon. Wenn ich aber mal zusammenzähle, wieviel Zeit sie schließlich tatsächlich mit den sie umgebenden Dingen verbringen, dann gibt es eigentlich nur drei Sachen, mit denen sie täglich und über Jahre hinweg kontinuierlich spielen und wogegen all die Tiere und Puppen, Pferde und Fahrzeuge und anderen Sachen früher oder später links liegen gelassen werden.

Wirkliche Dauerbrenner bei uns sind:
  • Holzbausteine (die flachen, länglichen ;)) mit denen die tollsten Konstruktionen gebaut werden
  • Baumwolltücher in allen Farben des Regenbogens (ich habe im Laufe der Zeit immer wieder alte Mullwindeln eingefärbt) - sie dienen als Umhänge und Vorhänge, Sitzkissen, Kopftücher, Lagerfeuer, Beutel, Puppendecken, Wasser, werden zu Figuren gelegt...
  • Filzseile und Filzschnüre - sie sind Gürtel, Kronen, Tragegriffe, Springseile, Absperrungen, Fesseln :D, Pferdehalfter, Lassos, Geschenkbänder...
Krone und Flügel aus Filzschnüren
Krone aus drei geflochtenen Filzschnüren. Die Flügel aus einem alten Pappkarton können mithilfe einer Filzschnur wie ein Rucksack aufgesetzt werden.

Mich wundert es eigentlich nicht, dass die Spielsachen, die der Phantasie den größten Raum geben, von den Kindern am häufigsten bespielt werden. Das wird uns aber auch in Zukunft nicht vor den abenteurlichsten Wünschen bewahren... :)

Selbst gemachte Filzschnüre

Filzschnüre sind nicht nur ungemein vielseitig, sie können von Kindern auch selbst hergestellt werden. Je nach Geschicklichkeit sind 4 Jahre ein gutes Alter, um damit zu beginnen. Wenn ihr merkt, dass eure Kinder noch nicht die nötige Ausdauer haben, dann legt sie nochmal zur Seite und probiert es ein paar Monate später wieder. Bei uns hat es auch zwei Anläufe gebraucht, bis das Kind den Dreh heraus hatte.

Alles was ihr zum Stricken der Schnüre braucht ist eine Strickgabel und Wolle eurer Wahl. Wenn ihr richtig feste Schnüre machen wollt, dann muss die gestrickte Kordel später gefilzt werden. Daher empfiehlt sich Dochtwolle (Filzwolle) oder alle anderen Garne aus Schurwolle, die nicht filzfrei ausgerüstet ist (nicht filzende Wolle ist meist erkennbar an dem Zusatz "superwash"). Der Grad der Verfilzung ist dann von Wolle zu Wolle unterschiedlich, am besten ihr probiert es einfach aus. Wir haben hier die pflanzengefärbte Schafschurwolle "Regenbogen" von der Wollmanunufaktur Filges verstrickt, die ihr in drei tollen Farbkombinationen im Räubersachenshop findet (Galaxie, Frühling und Regenbogen). 

Strickgabel
Strickgabeln sind in der Regel aus Holz gefertigt. Sie haben zwei Zinken und in der Mitte ein Loch, aus dem später die fertige Schnur herauskommt.

Bevor ihr mit dem Stricken beginnen könnt, müsst ihr zunächst euren Wollstrang zu einem Wollknäuel aufwickeln. Das macht ihr am besten gemeinsam mit eurem Kind - ihr müsst euch nur entscheiden, wer den Strang hält und wer die Wolle aufwickelt. Solltet ihr diesen Schritt alleine machen, könnt ihr den Strang auch über eure Knie oder eine Stuhllehne spannen.

Strang wickeln
Das Wickeln des Wollstrangs macht ihr am besten zu zweit.

Wollknäuel
100g Wolle ergeben ein ziemlich großes Wollknäuel :)


Jetzt kann es mit dem Stricken losgehen. Der Strickgabel ist eine kleine gezeichnete Anleitung beigelegt und hier zeigen wir es euch nochmal mit Fotos. Zuerst fädelt ihr die Wolle von hinten durch das Loch und haltet den Wollfaden mit dem Daumen gut fest.

Einfädeln der Wolle
Die Wolle wird von hinten nach vorne durch das Loch in der Strickgabel gefädelt.

Wickelt den Wollfaden nun zweimal in der Form einer acht um die Zinken. Dafür führt ihr den Faden (der am Wollknäuel hängt) von hinten durch die Mitte nach vorne, um einen der Zinken und wieder durch die Mitte nach vorne um den anderen Zinken herum. Der Faden hängt nun nach vorne zwischen beiden Zinken. Wenn ihr von oben auf die Zinken schaut, siehte es aus wie das Unendlichkeitszeichen oder eine liegende 8. Das Ganze wiederholt ihr noch einmal, so dass um jede der beiden Zinken zwei Schlaufen gewickelt sind.

Umwickeln der Strickgabel
So sieht es aus, wenn ihr die Strickgabel zweimal 8-förmig umwickelt habt.

Die Vorbereitungen sind vorbei und nun kann es losgehen. Nehmt eine der unteren Schlaufen (es ist egal auf welcher Seite ihr anfangt) und hebt sie über die obere Schlaufe hinweg über den Zinken. Mit der anderen unteren Schlaufe auf dem anderen Zinken verfahrt ihr genauso. Nun habt ihr nur noch eine einfache "8" auf der Strickgabel. Jetzt könnt ihr den losen Faden, der aus dem Loch hängt, etwas herausziehen - hier kommt dann bald der Anfang der Kordel heraus. 
Jetzt wickelt ihr eure Wolle wieder achtförmig um die Strickgabel und hebt die unteren Schlaufen über die Zinken und so geht es jetzt ewig weiter:

8-förmig umwickeln - untere Schlaufen über die Zinken heben - Kordel vorsichtig aus dem Loch ziehen - und wieder von vorn...

Stricken mit der Strickgabel 1
Wenn die Wolle zweimal 8-förmig um die Strickgabel gewickelt ist, werden die unteren Schlaufen über die oberen Schlaufen hinweg über die Zinken gehoben.

Stricken mit der Strickgabel 2
Es ist am besten, wenn die Wolle nur locker und nicht zu straff um die Strickgabel gelegt wird, dann lassen sich die Schlaufen leicht drüber heben.

Stricken mit der Strickgabel 3
Wenn beide Maschen gestrickt sind, kann der Faden vorne am Loch nachgezogen werden. Hier wächst dann die Schnur heraus.

Wenn eure Schnur lang genug ist, könnt ihr den Wollfaden mit etwa 10-15 Zentimeter Überstand abschneiden. Hebt dann vorsichtig die beiden Schlaufen, die noch auf der Strickgabel sind, von den Zinken hinunter. Nun sichert ihr diese beiden Maschen, indem ihr das Fadenende nacheinander durch beide Maschen hindurchzieht. Jetzt könnt ihr die fertige Kordel aus dem Loch der Strickgabel herausziehen. Die losen Fadenenden vernäht ihr mithilfe einer dicken Nadel oder einer Häkelnade ein Stück weit in der Kordel und schneidet sie dann ab.


Ende der Kordel
Die letzten beiden Maschen werden vorsichtig von der Strickgabel gehoben...

Ende der Kordel 2

... und das lose Fadenende durch beide Maschen hindurch gesteckt und festgezogen.

Wir haben eine 2 Meter lange Schnur gestrickt und sie anschließend bei 60 Grad gewaschen. Nach dem Waschen ist die Schnur jetzt noch 1,50 Meter lang, die Schafschurwolle von Figes geht also beim Filzen um ca. 25% ein. Bei Dochtwolle müsst ihr mit einem Schrumpfen um ca. 40%  rechnen. Wir haben für unsere Schnur ungefähr 18 Gramm Wolle verstrickt, mit einem 100g Knäuel könnt ihr also einige Meter stricken... :)

Fertige Filzschnur
Die fertig gefilzte Filzschnur "Regenbogen"

Das Stricken mit der Strickgabel ist durch die Wiederholungen sehr meditativ - am besten ihr bestellt euch noch eine eigene Strickgabel dazu ;). Schön ist auch, dass ihr oder euer Kind die Arbeit jederzeit unterbrechen und wieder aufnehmen könnt. Für ein Kind ist es eine wunderbare Erfahrung, das eigene Spielzeug selbst zu machen und vielleicht möchte es beim nächsten Kindergeburtstag eine schöne lange Schnur verschenken? Bei uns zuhause fliegen auf alle Fälle jede Menge Filzschnüre herum und die Kinder entdecken immer wieder neue Verwendungsmöglichkeiten...

Viel Spaß beim Stricken mit der Strickgabel wünscht euch 
Anne


P.S. Schnüre und kleinere Kinder sind natürlich eine Sache für sich. Seid also achtsam bei jüngeren Kindern und lasst sie nicht mit Schnüren alleine und bringt ihnen frühzeitig bei, dass sie sich Schnüre nicht um den Hals wickeln dürfen! 


Kommentare (2)
  • Isabelle
    Hallo, da bekommt man richtig Lust mal wieder rauszugehen. Richtig schön! Danke auch für die tollen Anregungen. Da werde ich einiges von umsetzen. Grüße Isa
  • Carolina
    Ich hab diesen tollen Blog-Post entdeckt und direkt eine Strickgabel und Filzwolle besorgt, um auch so schöne Schnüre herzustellen. Leider ist ein Klumpen aus der gestrickten Schnur geworden. Gibt es einen Trick, wie das nicht passiert? Liebe Grüße Carolina

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